EISREGEN @ ((szene)) Wien

Eine gute gefüllte Halle voller junger und junggebliebener Metalfans feierte die berüchtigste Dark Metal-Band Deutschlands. Und EISREGEN dankte es ihnen mit einem Querschnitt durch das makabere Schaffenswerk.

Zuerst jedoch starteten die Wiener von DURKHEIM und präsentierten einen technisch astreinen Depessive Suicidal Black Metal. Wobei der depressive und suizidale Part eher nicht rüberkam, denn die Band fühlte sich einfach zu wohl auf der Bühne. Man gab sich gekonnt routiniert und ließ sich auch von einer gerissenen Saite nicht aus dem Konzept bringen. Die spontane Bass+Drums-Darbietung des unverwechselbaren „Seven Nation Army“-Riffs zur Überbrückung der Gitarrenwechselzeit kam ebenfalls gut an. Insgesamt also ein solider Auftritt mit angenehmer Distanz zum üblichen Black Metal-Klischee.

Während bei DURKHEIM das übliche Corpse Paint fehlte, trumpften die Kollegen von INSANITY umso mehr mit kreativer Schminke auf. James O’Barrs „The Crow“ lässt grüßen! Auch musikalisch ist INSANITY eine Sache für sich. Songs wie „Cornetto Heidelbeer“ oder „Schnittlauch“ geben schon einen kurzen Einblick in die totale Verrücktheit der fünf Niederösterreicher. Dementsprechend unzuordenbar ist auch das Resultat des künstlerischen Schaffens: eine Mischung aus Hard Rock, verschiedensten Metal-Stilen sowie Blues Rock sind zu finden. Live gefiel das ohne Zweifel, auch wenn Sänger Ronny etwas leise durch die Verstärker gedrückt wurde.

Letzte Vorband des Abends waren SIGN OF DECAY. Mit einer Geige bewaffnet präsentierten die Niederösterreicher, warum sie METALLICA als einen ihrer Haupteinflüsse auflisten. Musikalisch sind SIGN OF DECAY zwar um einiges härter und heben sich durch den gekonnten Geigeneinsatz klar von METALLICA ab, jedoch muss man besonders beim Refrain von „Burn the Roses“ an James Hetfield denken. Generell ein fantastischer Auftritt und wenn hier nicht ein paar neue Fans rekrutiert wurden, ist der angeblich bevorstehende Weltuntergang wahrlich nicht das Schlechteste, was uns in nächster Zeit passieren kann …

Etwa vier Stunden nach Einlass war es nun endlich: EISREGEN beehrten wieder mal die heimischen Gefilde und zeigten, dass der Tod wahrlich ein Meister aus Deutschland ist. Und bereits nach dem ersten Song – dem neueren Werk „N8verzehr“ – folgte die Überraschung des Abends: EISREGEN wühlten sich durch den Staub ihrer Geschichte und zerrten den Titeltrack des indizierten, dem Verbreitungsverbot unterliegenden Albums „Krebskolonie“ hervor. Auch sonst spielte die Band um Ausnahmeerscheinung Michael „Blutkehle“ Roth sich quer durch die Bandgeschichte: „Das liebe Beil“, „19 Nägel für Sophie“, „Scharlachrotes Kleid“ oder „Elektrohexe“ waren auf der Setlist ebenso zu finden wie „Eisenkreuzkrieger“ und das neueste Werk der Band, mit dem sie unserem Exportschlager #1 – FALCO – Tribut zollten: „Mutter, der Mann mit dem Koks ist da“. Auszusetzen gab es also nichts, lediglich das Fehlen von „Blutbahnen“ und „Wundwasser“ störte mich persönlich etwas. Trotzdem haben sich EISREGEN hier ganz klar einen Platz in der Top 10 der Konzerthighlights 2012 erspielt!