Review: THE TRUSTY CHORDS – „Lost Grounds“

THE TRUSTY CHORDS - "Lost Grounds" cover

“A high fidelity long playing stereo vinyl record with songs and stories performed by THE TRUSTY CHORDS” – so liest sich das “Kleingedruckte” auf der THE TRUSTY CHORDS-Debüt-10”. Mit Liner Notes und einer wertigen Aufmachung werden diese Lieder und Geschichten passend unterstützt.

THE TRUSTY CHORDS - "Lost Grounds"

Über die Schallplatte selbst:

Wie schon beim glorreichen 7”-Klub, handelt es sich bei dieser Vinylscheibe um ein Produkt aus den Pressen des wiener/grazer Schallplattenlabels “Schall & Rauch Platten“. In üblicher S & R-Manier wurde auch „Lost Grounds“ in limitierter Auflage herausgebracht und für die fleißigen Jäger der verlorenen Schätze gibt’s auch eine speziell gefärbte, noch limitiertere Version:

  • 250 schwarze Schallplatten
  • 50 blau gesprenkelte schwarze Schallplatten mit Siebdruck-Cover (natürlich bereits vergriffen)

Ebenfalls gibt es natürlich auch wieder die Möglichkeit des Downloads in drei Qualitätsstufen: Unkomprimierte WAV-Dateien oder MP3s mit wahlweise 320 oder 128 Kbps.

Mir liegt eine der 250 „normalen“ Platten vor, ohne spezielles Siebdruck-Cover – daher kann ich über die Qualität der Spezialversionen keine Aussage machen. Über die vorliegende Platte kann man jedoch sagen, dass die Qualität gewohnt überragend ist. Das Coverdesign ist schlicht und ansprechend und verdeutlicht die „DownToEarth-ness“ von THE TRUSTY CHORDS. Es wirkt als wäre das Cover aus ungebleichtem Karton gefertigt, was schon sehr zur DIY-Haltung passen würde. Bei sehr genauem Hinsehen fällt dann aber doch auf, dass die Kartonoptik ebenfalls nur aufgedruckt ist. Das macht aber nichts, denn dem Gesamteindruck tut dies keinen Abbruch.

Auf der Rückseite finden sich die immer gern gesehen Liner Notes – für all diejenigen, die in einem schallplattenfreien Umfeld aufgewachsen sind: das sind Informationen von der Band über Songhintergründe, etc. – durch die man allerlei Interessantes erfährt. Zum Beispiel ist der Titelsong dem Wiener Sportklub gewidmet. Auch interessant ist, dass „My Last Words Written“ der chronologisch erste gemeinsam komponierte TTC-Songs ist. Solche Hintergrundinfos interessieren mich als Ritter des unnützen Wissens natürlich sehr und sie helfen, die Platte persönlicher erscheinen zu lassen – fast so als ob Claus und Flo ein Privatkonzert für den Hörer abhalten würden.

THE TRUSTY CHORDS @ Music House Graz

Gut, weiter geht’s mit den Songs …

Die Songs:

Auf Seite A finden sich die ersten vier Lieder: „Lost Grounds“, „Music Saves“, „For the Fame“ und „Walk On“.

  1. „Lost Grounds“ ist wohl zu Recht der Titelsong des Albums – er spiegelt klar wieder worin THE TRUSTY CHORDS brillieren: Gefühlvolle, minimalistische Gitarrenmusik mit etwas Melancholie in der Stimme von Claus Kaputto und manchmal dezenter Unterstützung durch Piano und Geige. In den Liner Notes wird das Lied so passend beschrieben, dass ich lediglich diesen einen Satz dazu wiedergeben möchte: „Your greatest victories, the biggest romances you enjoy in life – nothing is here to stay […]“. Volle Punktezahl! 5 von 5 Sternen
  2. Song #2 nennt sich „Music Saves“ und wird von der Band als „little pop song, a catchy tune, easy to sing along.“ beschrieben – hier würde ich allerdings widersprechen. Klar, die Melodie geht ins Ohr, es ist einfach mitzusingen (wie so ziemlich alle Songs von THE TRUSTY CHORDS, auch wenn man bei ihren Konzerten einfach lieber den Mund hält und zuhört) – trotzdem ist der Song mehr als „nur ein kleiner Pop-Song“. Er vermittelt perfekt ein Gefühl, das jedem Menschen wohl bekannt ist: Wenn Musik einen kompletten Scheißtag rettet und man wieder aufrecht durch die Welt gehen kann. Einzig störender Faktor ist der Gast-Background-Gesang von Roman Wind. Irgendwie passen die beinahe herausgepressten Töne nicht ins Gesamtbild des Songs. Diese Art von Gesang wäre bei härteren Musikgenres besser aufgehoben – etwa bei Songs von AGNOSTIC FRONT. 3,5 von 5 Sternchen
  3. Next Up: „For the Fame“. Wie es der Name bereits erahnen lässt, geht es um Bands, die Musik (mittlerweile?) aus den falschen Beweggründen machen: Ruhm, Kohle, Mädls. Bands, bei denen die Message verlorengegangen ist, wenn sie denn je vorhanden war. Wohl jeder Musikliebhaber kennt so eine Band, war ziemlich sicher sogar früher mal Fan solcher Gruppen. Für mich passt dieser Song perfekt auf eine gewisse deutsche Oi! Punk-Band, die früher über Bierweltreisen, Fackeln im Sturm, Hooligans, Punks, Skins, Greaser und Teds gesungen haben und nun, damit die Absatzzahlen bei der Zielgruppe „Teeniemädchen mit geringem Selbstbewusstsein und Hang zur Melodramatik“ stimmen, sich schön von ihrer Vergangenheit losgesagt haben. Alternativ kann man aber natürlich auch an eine irische Rockband denken, deren Sänger den Gutmenschen schlechthin verkörpern will, trotzdem es aber vorzieht keine Steuern zu zahlen …
    Das hat aber nichts mehr mit THE TRUSTY CHORDS zu tun und soll damit nicht weiter Gegenstand dieses Reviews sein. Kurz und knapp: für „For the Fame“ gibt’s 5 von 5 Sternen!
  4. Der letzte Song der Seite A, „Walk On“ ist wohl einer der aufbauendsten Durchhaltesong in meiner Musikssammlung. Wenn alles schief läuft und nicht mal Musik den Tag rettet, bleibt nur noch eine Durchhalteparole über: Just walk on! Hier profitiert die Band übrigens von Roman Winds Gast-Gesang – er gibt dem Song die nötige Melancholie. 4 von 5!

Gut, Pause, aufstehen, Platte umdrehen – zumindest theoretisch, wenn man die Platte bereits durch die Audiodownloads ersetzt hat.

  1. Seite B wartet mit meinem absoluten TTC-Favorit auf: „I am London (When You’re Calling)“. Dieser „Wir gehören einfach zusammen“-triefende Herzerwärmer wartet mit einem fantastischem weiblichen Part von Marika Kosch und einigen Punk Rock-Anspielungen auf. Zusätzlich klopft Nikolaus Preglau wieder gekonnt in die Klaviertasten und erweitert die Gesamtmischung um eine weitere Schicht, die daraus etwas ganz Besonderes macht. 100 von 5 Sternen … ok, das geht leider nicht also gibt’s halt „nur“ 5 von 5.
  2. Nach einem Liebessong kommt logischerweise der „Nach der Liebe“-Song in Form von „Far Away Graceland“. Wie in den Liner Notes so interessant angemerkt ist, entstand dieser Song lange vor THE TRUSTY CHORDS und die Textstelle über den „boulevard of broken dreams“ gabs anscheinend schon bevor GREEN DAY diesen Begriff in die Charts brachten. Ansonsten ist der Song leider nicht so markant und verdient sich lediglich 3,5 von 5 Sternen.
  3. Der vorletzte Song, „No Need to be True“ ist neben „I Am London“ und „For the Fame“ wieder so ein typischer Livemmitsingsong. Vor allem der Refrain „And all the city lights | that seemed to shine so bright | got dark, darker than the night“ hat es einfach in sich. Zusätzlich dazu stellt Nikolaus Preglaus Slide Gitarre ebenfalls eine große Bereicherung dar. Dafür gibt’s wieder 5 Sternchen.
  4. Zu guter Letzt kommt „My Last Words Written“ mit einem „Aans, zwa, drei, vier“-Einzählen daher. In bereits gewohnter TTC-Weise geht’s dann auch weiter und zu zwei Akustikgitarren gesellt sich noch eine Mundharmonika. Thematisch ein sehr schöner Song, musikalisch sowieso Top, jedoch fehlt wie bei „Far Away Graceland“ wieder dieses besondere Etwas. Darum gibt’s 4 Sterne.

Summa summarum errechnet sich daraus ein Sterneschnitt von 4,375, also 4,5 Sterne. Das passt! Auch bei „Lost Grounds“ kann ich ruhigen Gewissens eine Kaufempfehlung aussprechen mit dem Warnhinweis, dass die minimalistische Akustikgitarrenmelancholie wohl nicht jedermanns Geschmack ist. Zum Glück kann man sich ja die Tracks auf der Bandcamp-Seite von Schall & Rauch Platten vor dem Kauf anhören – kann ja nicht schaden.

Links:

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Chords and Ink #17 – Dead Richy Gein

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Im Februar 2017 durfte ich einen fantastischen Musiker, Sänger und Menschen für Chords and Ink #17 interviewen. Dead Richy Gein von den BLOODSUCKING ZOMBIES FROM OUTER SPACE empfing mich bei sich zu Hause und präsentierte sich - und seine gigantische Horrorfilmsammlung - im besten Licht. Richy erklärte dabei, welchen Stellenwert ALICE COOPER und die Rebellion im Allgemeinen für ihn haben und warum er seit Jahr und Tag bei den selben Tätowierern ist. Über Richy Um Richy kommt man in der Wiener Szene eigentlich kaum herum. Wenn der "passionierte Horrorfilmsammler und Serienkiller...... -memorabiliafan" nicht gerade als Dead Richy Gein mit Bühnenlatex und Kunstblut im Gesicht die Bühnen Europas unsicher macht, sieht man ihn auch öfters mal als Aftershow-DJ oder "inkognito" auf diversen Underground-Gigs. Nebenbei zeigt er sich unter dem Pseudonym Gein GraveX auch verantwortlich für die Designs und Grafiken der BLOODSUCKING ZOMBIES FROM OUTER SPACE. Das Tattoo Richys Lieblingstattoo ist ein ALICE COOPER Tribute Sleeve, der seinen rechten Arm ziert. Das Tattoo besteht hauptsächlich aus einigen der Plattencovern, die für Richy besonders wichtig sind: Die Augen aus dem Gatefold von "Love It To Death", das abgewandelte Herz von "School's Out" samt Namen des offiziellen Fanclubs "Sick Things", daneben die Münzen/Engelsköpfe der "Billion Dollar Babies", abgeschlossen von der "Welcome To My Nightmare"-Spinne. Dass Richy hier ein ALICE COOPER Tattoo präsentiert, verwundert kaum, denn er ist schon seit frühen Kindheitstagen Hardcore-Fan des Schockrock-Meisters: "Ich kann mich erinnern, ich hab mit acht Jahren das erste Mal das Cover - da ist die 'Trash' rausgekommen - gesehen und gesagt: 'Ich muss die haben! Die will ich hören!'". Da es um die persönlichen Finanzen nicht sehr gut bestellt war wurde ein Komplize für diese Risikoinvestition gesucht und auch gefunden: Gemeinsam mit seinem Bruder kratzte Richy das nötige Taschengeld zusammen undlegte sich so seine erste COOPER-Platte zu. "Der arge Typ mit dem Totenkopf-T-Shirt und den Nieten auf der Lederjacke" hat Richy damals stark beeinflusst, denn für den Bub vom Land war die Platte "das Ärgste was wir überhaupt gekannt haben". [caption id="attachment_2947" align="alignright" width="400"] Dead Richy Gein vor seiner riesigen Horrorsammlung, die ohne ALICE COOPER wohl nie solche Ausmaße angenommen hätte.[/caption] Mit "Poison" dröhnte daheim auch gleich ein Song durch die Anlage des Papas, der Richy richtig geflasht hat. "Da war die Welt nicht mehr die selbe!" - ALICE COOPER verkörpert alles, was auch Richy seitdem begeistert. "Ich hab mich da irgendwie voll verbunden gefühlt. Er war das volle Idol bei allem und hat auch Horrorfilme empfohlen. Ich hab natürlich jeden Film sofort haben müssen." Richys Vater passte die neue Obsession des Jungen nicht so wirklich, denn er kannte den Herrn COOPER noch aus den Siebzigern und war fest überzeugt, dass sich Richy den Antichrist höchstpersönlich ins Haus geladen hatte. "[Papa] hat den Schmäh auch voll gefressen und hat wirklich geglaubt der [COOPER] ist jetzt der Böseste und der Satanist und was weiß ich... Und umso mehr hat es mir dann natürlich als Kind gefallen." - Für Richy war das die erste Rebellion, "aber auf eine leiwande Art". So überrascht es kaum, dass die Augen auf Richys Arm auch zu einen seiner ältesten Tattoos zählen. Einige Jahre später konnte sich der Sänger dann einen Traum erfüllen, als er mit seinen BLOODSUCKING ZOMBIES den Großmeister selbst supporten zu dürfen. Die Gelegenheit wurde natürlich sofort genutzt, um sich das Tattoo unterschreiben zu lassen, um es keine zwei Tage später mit Nadel und Tinte zu verewigen. "Wenn Du dann auf einmal wirklich vor dem Menschen stehst und er entpuppt sich nicht als Arsch, sondern ist genau so großartig, wie du es dir erhofft hast - und nimmt sich Zeit für dich! - kannst du die Woche danach nicht schlafen, weil du immer noch so voller Adrenalin bist." "Mehr Grund für ein Peckerl weiß ich nicht!" Ob ein Tätowierer bei der Umsetzung eines solchen Tattoos dann ein Künstler oder ein "reiner Handwerker" sein sollte, lässt sich für Richy nur schwer beantworten: "Schwierig. Ich würde ja gern sagen, dass es ein Künstler ist, der seine eigenen Sachen einarbeitet, aber das stimmt halt bei meinen Tattoos überhaupt nicht. Weil das waren alles klare Vorlagen, weil ich größten Teils Porträts habe." - und auch wenn man bei Bernie Luther, einem seiner Stammtätowierer, beispielsweise einen eigenen Stil erkennt, der Richy auch sehr gefällt, hat er nie großartig nach anderen Tätowierern gesucht. "Ich hab mich in dem Studio vom ersten Moment an wohl gefühlt und ich hab die gemocht und wir waren auf einer Wellenlänge. Da bin ich auch gar nicht mehr auf die Idee gekommen, mir wo anders hinzugehen." Tattoo-Artists: Bernie Luther, Tattoo Demon & Marco Atzeni, Chaos Demon Tattoo Danke an Richy für die Einladung, das kühle Bier, die Verstörung durch PUBLIC IMAGE LTD. und die tolle Geschichte hinter dem Tattoo! So schaut es aus, wenn die Leidenschaft zur Musik unter die Haut geht. Und natürlich auch ein großes Danke an meinen Voice-Activated-Lightstand/Assistenten Michi! Mehr von Chords and Ink. [gallery type='flickr' view='photosets' photoset_id='72157682715784342' columns='5' tag_mode='any' sort='date-posted-desc' ]
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Chords and Ink #16 – Max / Kjetter

Bei Chords and Ink präsentieren fantastische Musiker die Tattoos, die ihnen am wichtigsten sind und erzählen die Geschichten dahinter.

Mit Max a.k.a Kjetter von DURKHEIM stand im Dezember 2016 ein guter Freund und fantastischer Black Metal-Musiker vor meiner Kamera. Bei Chords and Ink #16 sprach Max über seine Kindheit in Afrika, seelische und körperliche Narben und chemische Formeln, die das Leben lebenswert machen. Max habe ich erstmals 2012 in der ((szene)) Wien kennengelernt, als er mit seiner Kombo DURKHEIM einen ihrer ersten Gigs als Support für EISREGEN absolvierte. Damals hielt er noch die Les Paul fest in der Hand, die er mittlerweile zugunsten seines Gesangs an seine Bandkollegen abgegeben hat. Nachdem 2015 endlich das Debutalbum "Dehumanization" rausgekommen ist, für das ich die Bandpics schießen durfte, und wir mal um mal den Chords and Ink-Termin verschieben mussten, stand Max schlussendlich in seinem Proberaum Rede und Antwort. Über Max Max ist ein heimatloser Wiener, der überall in der Welt aufgewachsen ist und von Deutschland über Afrika nach Österreich kam. In Wien wirkt(e) er in diversen Projekten mit, allen voran bei DURKHEIM und neuerdings auch bei einem Sideproject names F19.5, bei dem sich Max in die Stoner-Richtung weiterentwickeln und eine Mischung aus Kurt Cobains Endtagen und CHELSEA WOLFE ausleben will. Max' musikalisches Ziel bei all seinen Projekten ist, "dass die Musik irgendeinem 16jährigen genauso viel bedeutet, wie mir NAGELFAR mit 16 bedeutet hat.... einfach was, was einen berührt... Oh Gott, war das grad kitschig!" Das Tattoo Das Tattoo auf Max' linkem Oberarm stellt die chemische Formel für Diazepam dar, im Volksmund auch gern mal unter dem Markennamen Valium bekannt. Und da Max sich nie etwas tätowieren lassen würde, was keine Bedeutung hat, gibt es zu dem Tattoo natürlich eine Geschichte. Und diese beginnt, als Max' Vater beruflich nach Nigeria ziehen musste. Der Umzug in dieses von Unruhen geplagte Land hinterließ beim damals sechsjährigen Max tiefe psychische Narben: "Da hab ich viel Scheiße gesehen... also auf täglicher Basis Leichen. Ich hab mit acht Jahren gesehen, wie ein Mensch bei lebendigem Leibe verbrannt wurde. Den haben sie an einen Traktorreifen gefesselt, Benzin drüber geschüttet und angezündet. Dort war das alltäglich." Max begriff in diesem Alter jedoch noch nicht, was da genau passierte. Erst mit etwa Dreizehn, als Max und seine Familie bereits nach Südafrika weitergezogen war, verstand er mehr und mehr, was sich damals abgespielt hatte. "Das hat mich sehr mitgenommen. Ich wusste ja nix von Depressionen, posttraumatischen Stressstörungen. Wusste nix von psychischen Erkrankungen. Ich hab am Anfang nur ein Symptom gehabt, das nennt sich Depersonalisation. Das ist ein Gefühl, als ob du neben dir stehst..." Max' Eltern war zu dem Zeitpunkt nicht bewusst, was sich in dem Jungen abspielte und schoben es auf die Pubertät. Somit blieben diese Störungen großteils unbehandelt und Max musste sich langsam daran gewöhnen. "Als ich mit 17 dann nach Deutschland gezogen bin, habe ich zum ersten Mal professionelle Hilfe aufgesucht - zu dem Zeitpunkt hatte ich das also schon vier Jahre." - als der Psychiater diese Depersonalisation als Symptom einer Depression diagnostizierte, war das für Max recht unverständlich: "Ich war so 'what the fuck', ich bin doch nicht depressiv! Ich mein, ich war schon immer melancholisch angehaucht, aber doch nicht depressiv." Im Anschluss wurde Max also Valium zur Bekämpfung der Symptome verschrieben. "Das ist eine pinke Flauschewolke und macht alle Probleme weg. Mittlerweile bin ich so eingestellt, dass ich ein normales Leben führen kann. Ohne dem Zeug kannst du mich vergessen. Ich verkriech ich mich, niemand hört von mir." Zwischendurch versuchte Max immer wieder, die Dosis zu reduzieren, meint aber: "Bei den Benzodiazepinen, der Hauptgruppe des Medikaments, wirkt der Entzug ähnlich schrecklich, wie bei Heroin. Ich habs zwei mal geschafft, einen Entzug zu machen, aber ich bin immer wieder zurückgekommen, weil es mir ohne dem Medikament einfach scheiße geht." Dass es sich dabei um ein wenig gesundes Verhalten handelt, ist Max komplett klar. Darum ließ er sich die chemische Formel des Medikaments mit dem Zusatz "Never Stop The Madness" stechen, als Bezug zum eigenen Wahnsinn. "Ich find', das Leben ist wertvoller, wenn man es wenigstens auf Medikamenten genießen kann, als ohne Drogen und man ist andauernd kurz davor sich umzubringen." - also eigentlich ein doch recht positives Tattoo, "auch wenn's die meisten nicht so auffassen werden." Tattoo-Artist: Gaburella Max gebührt für seine brachiale Offenheit und ehrliche Geschichte ein riesengroßes Dankeschön! Sorry für das ständige Nachfragen, wann wir das Shooting endlich machen und die anschließende Wartezeit bis das Ergebnis endlich fertig war. [gallery type='flickr' view='photosets' photoset_id='72157685692455755' tag_mode='any' sort='date-posted-desc' ]
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Metalheads Against Racism: jetzt noch besser! / Donauinselfest

"Same procedure as last year?" - "Same procedure as EVERY year!" und somit war es auch klar, dass ich auch bei der mittlerweile 6. Auflage des wunderbaren Metalheads Against Racism auf der SJ-Bühne beim Donauinselfest dabei bin. Mitgemischt haben diesmal: SCHATTENLICHT, DAEDRIC TALES, DYSTRUST, TITAN KILLER, DARKFALL, TULSADOOM, UZZIEL, BOON und - wie sollte es anders sein - MORTAL STRIKE, die auch diesmal das MARD sicher durch den Sturm navigierten. (mehr …)
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Pfingsten, unser Lieblingsfest! Auch heuer / Pfingstspektakel 2017

Alle Jahre wieder finden sie satt: Europas schönstes, tollstes und bestestes Baseball- und Softballturnier, das Finkstonball Tournament, und Attnangs schönstes, tollstes und bestestes Absturz- und Musikfestival, das Pfingstspektakel. Dieses Jahr waren dabei: TERRORGRUPPE, V8 WANKERS, CHRISTOPH & LOLLO, THE LOCOS, TURBOBIER, Lokalmatadore wie die fast-schon-pragmatisierten WHAM BAM BODYSLAM, die heuer ihr 10jähriges feierten und Szenegrößen wie TEXTA und THE CREEPSHOW. (mehr …)
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Chords and Ink #18 – Dave Hause

Bei Chords and Ink präsentieren fantastische Musiker die Tattoos, die ihnen am wichtigsten sind und erzählen die Geschichten dahinter.

Für Chords and Ink #18 konnte ich im März 2017 die rauchige Stimme der Mittdreißiger-Depression, DAVE HAUSE, kurz vor seinem Auftritt in der Arena Wien über seine Tattoos ausfragen. Und dabei stellte sich wieder einmal heraus, dass die Geschichte und die Emotion hinter dem Tattoo oftmals mehr wiegt, als seine Größe, die Bedeutung oder die Kunstfertigkeit, mit der es gestochen wurde. Über Dave Hause Dave ist neben CHUCK RAGAN wohl eins der besten Aushängeschilder für emotionsgeladen Acoustic Folk/Punk mit rauher, rauchiger Stimme und dem sprichwörtlichen "heart on the sleeve". Als DAVE HAUSE & THE MERMAID machte er im März Halt in Wien um sein neues Album "Bury Me In Philly" zu promoten. Das Tattoo Das kleine und minimalistische Strich-Peckerl über Daves linkem Knöchel stellt einen Hotdog und einen Barbecue-Picknicktisch dar, wobei im Laufe des Interviews eine angeregte Diskussion zwischen Dave und seiner Tourbegleitung Tara entbrannte, ob es sich nun um einen Picknicktisch oder um einen Hotdog auf einem Kugelgriller handelt. Was auch immer es nun wirklich darstellen sollte, gestochen wurde es jedenfalls als eine Art Unfall von Daves gutem Freund Bryan Kienlen, seines Zeichens Bassist bei THE BOUNCING SOULS. "Er fing vor einigen Jahren mit dem Tätowieren an und wir waren bei einer Gartenparty und feierten 'Memorial Day'." Und wie es bei so einer Party eben ist, waren alle Beteiligten ziemlich besoffen, was sich dann in einem der ersten Tattoos äußerte, das Bryan jemals unter eine fremde Haut brachte. "Und er hat mitten im Tattoo auch was verbockt und meinte - sehr hörbar - 'Ooops'. Aber ich weiß eh nicht, was genau er verkackt hat, ich hab auch ein paar mal nachgesehen aber nichts gefunden." [caption id="attachment_2954" align="alignright" width="400"] "Ich bin alt, Mann. Ich geb einen Scheiß auf 'Bedeutung'!" - DAVE HAUSE über seinen Hotdog am Picknicktisch.[/caption] Die obligatorische Frage, ob es denn eine tiefere Bedeutung habe, quittierte Dave mit einem "ein Hotdog auf einem Picknicktisch?! Da kannst du gerne alles reininterpretieren, was du willst aber es war einfach ein lustiges Picknick". Für Dave verlieren die Tattoos mit ihrer Anzahl auch etwas an Bedeutung: "Ich mein, du hast Bedeutungen und Bedeutungen über Bedeutungen und nach einer Zeit bist du einfach nur mehr ein tätowierter Typ und holst dir deine 'Bedeutung' von anderen Stellen im Leben." Aber für Dave kommen auch neue Tattoos eher nicht mehr in Frage. Auch die Tätowierer-Subkultur hat sich für Dave verändert, seit er sich sein erstes Peckerl stechen ließ, doch der Hauptgrund ist simpler: "Es tut schweineweh und es ist teuer." - Zumal auch der rebellische Aspekt von Tätowierungen immer stärker verblasst: "Ich bin wahrscheinlich Teil des Problems. Es war mal so, dass sich Matrosen und Kriminelle und Häftlinge tätowieren ließen - also harte Motherfucker - und in den 1990ern haben wir uns stechen lassen. Wir waren nicht hart, wir wollten nur so aussehen. Jetzt hat jedes Kind mit 200 Dollar in der Tasche und einer schlechten Idee hat ein verfickt riesiges Ding am Hals, das wie ein Rollkragenpullover oder sowas aussieht. Das macht dich nicht hart und hart sein ist auch nicht der Punkt!" Trotzdem war es für Daves Eltern ein ziemlicher Schock, als der Junge mit seinen ersten Tattoos heimkam. Daves Vater meinte schon, dass das Problem sei, dass Dave nie genug haben wird: "Erst willst du einen Ohrring und irgendwann wirst du voller Tattoos sein!" - und er behielt recht. Und für Dave haben trotzdem all seine Tattoos eine Daseinsberechtigung: "Es ist nett, eine schlechte Entscheidung zu treffen, die dann permanent ist." Tattoo-Artist: Bryan Kienlen, THE BOUNCING SOULS / Neptune Tattooville Mehr Tattoogeschichten bei Chords and Ink: Toschi findet auch, dass Tattoos sauweh tun. Für Ronny muss es auch kein Riesentattoo sein, um eine tiefgehende Bedeutung zu haben. Seuche ließ sich den ganzen Arm von einem Tattooanfänger verschönern und bereut es nicht. Thanks to Dave for doing the interview on such short notice and his awesome stories and thoughts regarding tattoos, meaning and being a compassionate fucker instead of a hard fucker! [gallery type='flickr' view='photosets' photoset_id='72157683236789133' tag_mode='any' sort='date-posted-desc' ]
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Der Balkan beginnt in Wien! / Venster 99

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