Metalheads Against Racism: mittlerweile Tradition / Donauinselfest

Bedingt durch anderweitige Verpflichtungen gab es ja leider keine Fotos von der 2017er-Auflage des MARD – doch das soll natürlich nicht zur Regel werden und somit gibt es von der mittlerweile achten Auflage von dieser fantastischen Konzertreihe. Diesmal dabei: DRAGONY, MORTAL STRIKE, RICHTHAMMER, BOOGIE HAMMER und und und.

Für Fans harter Klänge ist das Donauinselfest ja eigentlich immer ein ziemliches Brachland, besonders seit FALCO im 93er-Jahr das Konzert der Inselgeschichte gab. Da ist es umso schöner, dass sich jeden DIF-Sonntag ein kleines, unbelehrbares Dorf gegen den Weichspülschmarrn von FM4 und Ö3 auflehnt und in Kooperation mit der SJ Wien für den nötigen Druck im Schädel sorgt.

Wettertechnisch kann man zwar natürlich wieder mal hauptstadtgerecht jammern, denn zum dritten Mal in Folge gab es beschissenen Nieselregen, teilweise stärkeren Regen und zur Krönung drückende Schwüle mit Sonnenschein. Aber dem geneigten DIF-/MARD-Besucher ist das mittlerweile eh wurscht, weil das Allheilmittel „Bier“ in rauen Mengen zur Verfügung stand.

DIF, Regen, Klassiker.

BOOGIE HAMMER hat dieser Wetterumstand trotzdem etwas blöd erwischt – gerade als Opener und punkigste Kapelle des Tages mussten sie dann doch mit ein etwas kleineres, dafür aber umso feineres Grüppchen vor der Bühne bespielen. Aber in gekonnter Manier wurde das Ganze trotzdem mit viel Humor genommen und es zeigte sich wieder mal, warum BOOGIE HAMMER einfach eine geile Liveband sind: sie machen’s aus Spaß an der Freude. Das zeigt sich nicht nur in Basser Valentins Stage-Outfit (Glitterplateuschuhe, die selbst Ace Frehley vor Neid die Schminke aus dem Gesicht pracken), sondern auch in Danne Walls tiefgründigen und bierernsten Zwischenansagen: „Blablabla Donauinselfest, bla bla nächste Song“. Darauf kann man schon mal anstoßen!

BOOGIE HAMMER: „Bla bla bla and so on!“

Marginal ernster ging es dann bei der Wiener Pagan-/Melodeath-Fraktion von ALPHAYN zu. Auch wenn der aufgrund von einer taktisch schlecht erwischten Erkrankung von Stammsängerin Chiri – gute Besserung! – kurzfristig eingesprungene Ersatzsänger Marco von COMPANION sichtlich seine Freude hatte. Gut gerettet – feiner Gig.

ALPHAYN: Retter in der Not – Marco von COMPANION

NEMESIS MY ENEMY und INTERREGNUM knüppelten im Anschluss dann jeweils ordentlich auf ihre Instrumente ein. Während BOOGIE HAMMER noch den Groove auf die Insel brachten und ALPHAYN die heidnische Melodie zelebrierten, stand der Schlachtplan der beiden Grazer Fraktionen fest: erst mal alles und jeden in Grund und Boden rammen und dann schauen, was übrig bleibt. Solider Death-/Thrash auf der einen Seite, eine Horde wildgewordener Viking-/Deather auf der anderen. In der Mitte: wasserfeste Metalheads und leicht verstörte Zaungäste, die sich zum nächsten Langosstand beeilten.

NEMESIS MY ENEMY: geht zeitweise auch unter die Haut.

Dabei sind NEMESIS MY ENEMY und INTERREGNUM eine perfekte Einleitung zum Einmarsch der Niederösterreichischen black-angehauchten Death-Walze RICHTHAMMER gewesen. Was genau sich Sänger Florian Fangmeyer da genau umgeschnallt hatte, war zwar nicht so ganz klar. Das Mission Objective wurde dennoch erreicht: Blickfang, Interesse, Begeisterung. Fazit: HUARRRRGGHHHH! TÖÖÖÖTÄÄÄNNN!! Gefällt.

RICHTHAMMER: Props for the Props God

Im Zeichen internationaler Zusammenarbeit gab es auch diesmal wieder eine Importband: CEASELESS TORMENT aus Finnland, die – landesuntypisch – sogar ein bisschen Sonnenschein im Gepäck hatten. Dazu wurde noch feinster Thrash eingeführt mit einer erbarmungslosen Qualität, die man nur im hohen Norden abbauen kann.

CEASELESS TORMENT: Prügel aus dem Norden

IRDORATH nahmen im Anschluss die angeschlagene Lebensfreude dankend entgegen und rammten ihr noch ein rostiges Messer zwischen die Rippen. Black Metal erster Güte aus Kärnten mit einer Performance, die sich nicht hinter den üblichen Szenegrößen verstecken muss!

IRDORATH: Intensiv!

Die Wiener Death-Partie PARENTAL ADVISORY konnte im Anschluss mit dem gewissen Heimvorteil den mittlerweile gut gefüllten Platz vor der Bühne noch ordentlich zerlegen. Klassisch, drückend, gemein, grauslig – so wie man Death Metal halt mag.

PARENTAL ADVISORY: Explicit Content

MORTAL STRIKE hatten es in letzter Zeit ja nicht gerade leicht – Rampensau und Sänger Matthias Gerstl und Rampensau und Basser Dominique Heine haben sich im Lauf von 2018 neuen Projekten zugewandt. Und obwohl mit TITAN KILLERs Moritz recht prompt ein würdiger Nachfolger am Bass gefunden wurde, stellte sich die Suche nach einem neuen Schreihals doch als etwas schwieriger heraus. Immerhin durfte sich hier kein Gerstl-Ersatz – oder noch schlimmer: -Abklatsch – auf die Bühne stellen, sondern es wurde eine eigenständige Entität gesucht, die ihren eigenen Charme mitbringen kann.

MORTAL STRIKE: Da wächst dann kein Gras mehr.

Und mit dem französischstämmigen Martin Roulance, seines Zeichens semiprofessionelles Thorin Oakenshield Double, konnte sich die Wiener Panzerbrigade wirklich ein Glücksgriff gelungen.

MORTAL STRIKE: Als wär Martin schon seit Anbeginn dabei.

Bevor Martin offiziell als neuer Sänger gebührend eingeweiht wurde und trotz leicht erhöhtem Nervositätslevel mit wehenden Fahnen durch die Setlist marschierte, durfte sich in dem bewähten Format „MORTAL STRIKE & Friends“ noch die Crème De La Crème der heimischen Hard & Heavy-Fraktion mit der Stammbesetzung auf der Bühne breitmachen. Darunter unter anderem Leute von DRAGONY, BOON, TITAN KILLER und VEIL OF DECEPTION . Ich will ja nichts diktieren, aber so ein „& Friends“-Spektakel darf es gerne jährlich geben!

MORTAL STRIKE: die Gnadenzeit ist vorbei.

Dass DRAGONY überhaupt bereit waren, einem derartigen Fest noch das Schlagobershauberl aufzusetzen, zeugt auch von den Qualitäten Wiens erfolgreichster Drachentöter (Drachensichtungen im Großraum Wien seit Bandgründung 2007: 0,00/Jahr. Quelle: Statistik Austria). Allen voran wie gewohnt Vorsitzender der Tafelrunde, Siegi Samer, der ja nicht nur mit MORTAL STRIKE Vollgas gab, sondern auch mit DRAGONY noch einmal riiiichtig auf den Putz gehauen hat.

DRAGONY: Unaufhaltsam.

Metalheads Against Racism – es ist immer wieder eines der Sommerhighlights. Danke an Chrir, danke an die SJ, danke an alle Bands. Genau so müssen Konzerte ablaufen!